Zugegeben – schön sieht es für uns Menschen nicht aus, wenn ein Gewirr von ungleich langen Fäden aus dem Sofastoff herausragen und uns mit den hässlichen Kratzspuren unserer Katzen konfrontieren.

Aber gesunde Katzen müssen an Gegenständen kratzen und ihre Krallen wetzen, es ist Teil ihres natürlichen Verhaltens. Damit kommunizieren sie, bauen ihren Frust ab, fordern zum Spielen auf und pflegen ihre Krallen.

Mit den richtigen Kratzmöbeln und einigen Tipps schaffst du es leicht, dein Mobiliar vor dem Angriff der scharfen Katzenkrallen zu schützen

Katzen müssen kratzen, dient dieses instinktive Verhalten doch der Kommunikation, dem Spannungs- und Stressabbau und auch der Selbstdarstellung. Liebevoll sage ich oft zu meiner Katze Meggie, wenn sie sich vehement an ihrer Kratzpappe abarbeitet: „Jaja, mach dich nur wichtig!😻“

  • Wenn eine Katze ihre Krallen in die Rinde eines Baumstamms schlägt und ihre Zehen rhythmisch genüsslich vor- und zurückbewegt, dann beduftet sie gleichzeitig die Fläche mit Pheromonen. Diese Duftstoffe befinden sich in Drüsen zwischen den Zehen, aber auch an Kinn, Schläfen oder der Schwanzwurzel. Sie dienen in dem Fall des Kratzens dazu, das Revier der Katze zu markieren und anderen Katzen eine Botschaft zu hinterlassen.
  • Katzen strecken sich auch gerne an vertikalen Gegenständen, die eine weiche, faserige Oberfläche besitzen, wie z. B. an einem Polstersessel, an der Lehne einer Couch oder an einem Sisalstamm. Tun sie dies nach einem ausgiebigen Schläfchen, dient das Strecken und Kratzen auch der Dehnung der Muskulatur. Das hält geschmeidig und mindert das Risiko für Verletzungen.
  • Natürlich werden auch Krallenhülsen mit Hilfe des Kratzens abgestreift, aber das ist nur ein netter Nebeneffekt.
  • Das heftige Kratzen gibt der Katze auch die Möglichkeit, ihre Erregung loszuwerden. Ist sie aufgeregt, werden die Krallen schnell noch mal in die Kratzpappe (oder das Sofa) gehauen, dass die Papierfetzen (Stofffasern) nur so fliegen. Man könnte sagen, sie nutzt das Kratzen als Ventil, um überschüssige Energie loszuwerden.
  • Interessant ist es auch, zu beobachten, was ein Kater tut, der eine Auseinandersetzung mit einem anderen Kater verloren hat. Du ahnst es schon: Er kratzt sich vehement (gerne an einem Baumstamm), um sein lädiertes Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Das ist für uns Menschen besser, als wenn der Katzer mit Harnmarkieren im Haus seinen Frust abbaut.
  • Kratzen kann unter befreundeten Katzen je nach Kontext auch als Spielaufforderung aufgefasst werden. Dann geht es so richtig ab und die Katzen haben ihren Spaß.

Es ist nicht sinnvoll, deine Katze vom Kratzen abzuhalten, da es zum natürlichen Verhalten jeder Katze dazugehört.

Aber du kannst dafür sorgen, dass sich dein Stubentiger nicht mehr an Möbeln kratzt, sondern nur noch an dafür vorgesehenen Gegenständen (Kratzpappe, Kratzbaum, Kratzstamm,…).

Vergiss irgendwelche Sprays oder einen 👉 Sprühstoß aus der Wasserpistole, um dein Sofa vor den Krallen deiner Katze zu schützen. Denn damit sendest du ein falsches Signal – die Katze soll sich kratzen, aber nicht am Mobiliar, sondern an speziellen Kratzmöbeln für Katzen.

Und so gehst du am besten vor:

Stelle deiner Katze geeignete Kratzmöbel wie Kratzpappe, Kratzbäume oder Kratzteppiche zur Verfügung, damit sie dort ihre Krallen wetzt und das Sofa und die Tapeten in Ruhe lässt.

Der Trick: Du sorgst für solche Kratzmöglichkeiten, die deine Katze mehr liebt als den weichen Stoff deines Sitzmöbels.

Dazu benötigst du passendes Material zum Krallenreinhauen, welches sich dazu noch an einem attraktiven Platz befindet. Damit verlieren das Sofa oder der Sessel mehr und mehr ihren Reiz.

Geeignete Plätze befinden sich dort, wo die Katze häufig vorbeigeht oder wo ganz viel passiert – auf keinen Fall in der hintersten Ecke.

Die Kratzspuren an den Möbeln oder auch an der Tapete zeigen dir, wo sich die Lieblingskratzstellen deiner Katzen befinden. Genau dort stellst du nun entweder Kratzpappe oder einen Kratzbaum auf.

Das Wohnzimmer als Lebensmittelpunkt spielt dabei häufig eine wichtige Rolle, denn hier wird gespielt, geschlafen und gekuschelt.

Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf und vor dem Spielen suchen sich Katzen gerne eine Kratzmöglichkeit, um sich ausgiebig zu strecken und in Schwung zu kommen. Das Kratzmobiliar sollte also in unmittelbarer Reichweite zu finden sein.

Aus meiner Erfahrung mögen Katzen Kratzpappe besonders gerne, weil das Material einem Sofastoff am nächsten kommt – es ist weich, die Krallen dringen in der richtigen Tiefe ein und es fliegen die Fetzen.

Achte darauf, dass du die Pappe auf eine rutschfesten Unterlage (Teppich, Fußmatte) stellst, damit das Kratzvergnügen erhalten bleibt.

Kratzmodul für katzen, katze kratzt nicht  an couch

Kratzpappe gibt es in verschiedenen Ausführungen: flach wie ein Brett, wellenförmig und schräg nach oben führend.

Lass deine Katze unterschiedliche Formen austesten, damit du siehst, welche bei ihr besonders gut ankommt.

Meiner Erfahrung nach lieben Katzen besonders die flache* und wellenförmige Kratzpappe, z. Bsp. von Canadian Cat Company*.

Ideal nicht nur als Kratzgelegenheit eignen sich stabile Kratzbäume, da sie so vielseitig sind: Am Stamm kratzen sich Katzen, sie dehnen und strecken sich, klettern ihn hoch und sie schlafen in den Körbchen.

katze kratzt sich an kratbaum und nicht an möbelstück

🌴 Der Kratzbaum muss stabil sein, damit er dem Ansturm von energiegeladenen Katzen standhält. Wackelige Kandidaten lässt du am besten links liegen, auch wenn sie öfter billiger sind.

🌴 Der Stamm des Kratzbaums sollte mit einer rauen Oberfläche beschichtet sein, z. B. mit Sisal, oder aus Naturholz bestehen. Da Katzen von oben nach unten kratzen, bevorzugen sie Materialien mit senkrecht verlaufenden Fasern.

🌴 Achte darauf, dass deine Katzen sich beim Strecken und Kratzen richtig lang machen können (s. Foto). Dies klappt super bei der Kratzsäule „Natural Paradise“*, den viele meiner Kundinnen besitzen.

Aus Gewohnheit wird deine Katze weiterhin an der Couch kratzen und auch, weil sie dort gut sichtbare Spuren hinterlassen hat.

Damit sie ihre Krallen in den Stamm des neuen Kratzbaums schlägt, musst du ihn für sie attraktiv gestalten. Bewege eine Feder oder ein anderes Spielzeug an der Kratzsäule auf und ab und animiere deine Katze so, ihre Krallen ins Sisal zu hauen. Lobe sie überschwänglich, wenn sie von sich aus am Stamm kratzt. Durch diese positive Verstärkung in Kombination mit dem Pfotengeruch wird deine Katze das neue Kratzmöbelstück bald lieben und deine Möbel in Ruhe lassen.

Wenn deine Katzen gelernt haben, an ihren Kratzmöbeln zu kratzen dann – und wirklich erst dann – präparierst du die zerfransten Stellen deiner Couch mit doppelseitigem Klebeband.

Beim nächsten Kratzversuch bleibt deine Katze kurz daran kleben (keine Angst, die Pfoten kann sie alleine leicht lösen), was wohl eine harmlose, aber unangenehme Erfahrung darstellt.

Deine Katze wird in Zukunft das gute Möbelstück meiden und sich an den anderen Kratzstellen genüsslich strecken und kratzen.

Und wenn deine Miezen an deinem Sofa endgültig das Interesse verloren haben, hat das Klebeband seinen Zweck erfüllt und kann entfernt werden.

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katja henopp tiertherapeut katze

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