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Die meisten Katzenmenschen kennen dieses Szenario: Eine wichtige Fahrt zur Tierärztin/zum Tierarzt steht bevor und man selber hat schon Tage lang vorher Bauchschmerzen, Schweißausbrüche oder einfach ein nervöses Gefühl in der Magengrube.

Und das mit gutem Grund, denn die Katze HASST zum einen den Transportkorb, da sie ihn ausschließlich mit der unangenehmen Erfahrung bei der tierärztlichen Untersuchung in Verbindung bringt. Und zum anderen FÜRCHTET sie die Autofahrt, die sie dem Horror ein Stückchen näher bringt.

 

Je nach Persönlichkeit und Erfahrung wird kläglich gemaunzt und das die komplette Fahrzeit hindurch; geknurrt, gefaucht und an der Box gerüttelt; geschwiegen und sich unsichtbar gemacht oder vor Angst oder Übelkeit Kot und Urin abgesetzt.

 

Als Katzenhalter*in schwitzt man Blut und Wasser am Steuer und wünscht, man wäre schon wieder zu Hause und Ruhe kehrte ein – für beide Seiten. 

Mir geht es auf jeden Fall so – trotz meines Wissens und meiner Strategien.

Konsequenz: Vermeiden von Tierarztbesuchen

Die Konsequenz dieser für alle Beteiligten anstrengenden und stressigen Situation ist oft die Vermeidung derselben und das ist meiner Meinung nach zwar verständlich, aber falsch.

 

NICHT zu einer dringend notwendigen Untersuchung zu fahren, wenn es deiner Katze schlecht geht, sie ihr Verhalten plötzlich geändert hat, ist keine vertretbare Option. Und das aus zwei Gründen:

 

Erstens ist eine Katze Meisterin darin, ihre Schmerzen und ihr Unwohlsein erst dann zu zeigen, wenn sie ernsthaft erkrankt ist. Stellst du diese Verhaltensänderungen fest, wird es also höchste Zeit für eine fundierte Diagnose – und die stellt in aller Regel ein guter Tierarzt/ eine gute Tierärztin, zu dem/ der man normalerweise mit dem Auto fahren muss.

 

Leben mit Katze Newsletter

Zweitens ist der Stress, den sie während des Autofahrens und der Untersuchung erlebt, ein akuter, den sie i.d.R. gut bewältigen kann. Einige Katzen, wie mein ehemaliger Kater Sisko, benötigen dafür nur die Autofahrt nach Hause, um wieder vollkommen glücklich zu sein. Andere benötigen einige Stunden, bis sie wieder in ihre gewohnte Sicherheit zurückgefunden haben.

Und dennoch möchte man seinem Liebling natürlich jegliche Art von negativem Stress ersparen, sodass praktikable, individuelle Lösungen gefunden werden müssen. Was erschwerend hinzu kommt: Das weiße Blutbild sowie einige andere Blutparameter wie Glucose und Cholesterin sind unter Stress verändert. Und das möchte man bei einer Blutentnahme bzw. -untersuchung natürlich vermeiden.

Transportkorbtraining

Bei ganz jungen Katzen, die noch gar keine (schlechten) Erfahrungen mit Fahrt und tierärztl. Untersuchungen gemacht haben, empfehle ich ein Training mit dem Clicker, welches die Tiere langsam, systematisch und stressfrei an bestimmte Griffe und Untersuchungsmethoden heranführt. Das Zauberwort heißt hier, wie so oft, „positive Verstärkung“, d.h., eine gewünschte Verhaltensweise (bspw. gibt die Fellnase ihre Pfote zum Krallenschneiden) wird jedes Mal belohnt, was ausgesprochen gut mit TroFu-Kroketten, getrockneten Fleischstücken oder anderen Leckerchen funktioniert.

 

Diese Methode ist zeitintensiv, aber sehr effektiv, wenn deine Katze noch kein großes Misstrauen gegen jegliche Form der Manipulation (man denke an die schwierige Tabletteneingabe!) aufgebaut hat.

Das Buch „Tierarzttraining für Katzen*“ von Christine Hauschild gibt hier detaillierte, verständliche Anleitungen und ist daher sehr empfehlenswert.

Der Einstieg in den Transportkorb sowie die Fahrt im Auto können ebenfalls trainiert werden; auch hier funktioniert es am leichtesten mit jungen, ahnungslosen Katzen.

 

Die Transportbox oder -tasche sollte immer ein Bestandteil der Wohnungseinrichtung werden, sodass deine Miez sie mit etwas Positivem, mit Wohlbehagen, verknüpft und freiwillig einsteigt. Das funktioniert auch sehr gut, wenn du das Behältnis an einen warmen, geschützten Ort stellst, den deine Katze mag, eine weiche Decke hineinlegst und als Krönung noch einige richtig gute Leckerchen hineinlegst. Dränge sie niemals, sondern warte ab, dass sie von selber darauf kommt, wie gemütlich dieser Ort doch ist.

Transportbox für Katzen als Gegenstand der Wohnungseinrichtung

Die Autofahrt machst du zu einem akzeptablen oder auch freudigen Ereignis, wenn du deine Katze in Minischritten zunächst an das Auto gewöhnst, dann einige Schritte fährst, dann eine Runde, bis mehrere Minuten Fahrt keinen Stress mehr bei dir und deiner Katze auslösen. Du kehrst ja immer zurück und dein Stubentiger erhält natürlich immer eine tolle Belohnung für seinen mutigen Einsatz.

Was tun bei misstrauischen, alten oder kranken Katzen?

Das ist ja alles gut und schön, aber leider ist dein Kater weder jung noch ahnungslos und schlechte Erfahrungen mit Autofahren und Tierarztbesuchen hat er schon zuhauf gemacht. Möglicherweise ist er chronisch krank und hat mit Schmerzen zu kämpfen oder muss alle 4 Wochen eine Chemotherapie über sich ergehen lassen.

 

  Dann greifen wir doch beherzt in die Medikamenten- und Drogenkiste…

Katja Henopp, Leben mit Katze Podcast

In meiner Podcastfolge „Hilfe – eine OP steht bevor“ gebe ich dir weitere Tipps & Empfehlungen zur Vor- und „Nachbereitung“ deiner Katzen. Hör doch mal rein:

👂👂Leben mit Katze Podcast

Die wirksamsten Beruhigungsmittel für deine Katzen

Nahrungsergänzungsmittel

Du kannst deiner Katze abends und morgens vor dem Tierarztbesuch jeweils 450 mg Zylkène verabreichen (am besten bestellst du 🐾  Zylkène für kleine Hunde*), was eine stressreduzierende Wirkung auf sie haben sollte. Dieses „Beruhigungsmittel“ ist v.a. für diejenigen Katzen geeignet, die im Auto Urin unter sich machen und in der Praxis starr vor Angst sind („brav“, wie oft interpretiert wird).

 

Zylkène gehört zu den Nahrungsergänzungsmitteln und besteht hauptsächlich aus dem Wirkstoff Alpha-Casozepin, einem Peptid aus der Milch, das angstlösende Eigenschaften besitzt.

 

Es treten i. d. R. keinerlei Nebenwirkungen auf, verändern auch das Blutbild nicht, sodass du diese Methode auf jeden Fall bei deiner Katze das nächste Mal ausprobieren kannst. Informiere vorher deinen Tierarzt/deine Tierärztin davon.

 

Gabapentin

Ist deine Katze vor Angst wie gelähmt oder regt sich extrem auf im Auto (Zittern, Speicheln, Fauchen, Knurren) und während der Untersuchung, sodass sie dort sediert werden muss, damit sie überhaupt untersucht werden kann, dann bietet sich ein Medikament aus dem Humanbereich an, das bei Katzen bspw. in der Therapie der felinen Hyperästhesie erfolgreich eingesetzt wird: Gabapentin.

 

Gabapentin, eigentlich ein Mittel zur Behandlung von epileptischen Krämpfen und Nervenschmerzen, wirkt auf Katzen so, als hättest du einen Joint geraucht oder einen Haschkeks verzehrt: Die Entspannung steht ihr förmlich ins Gesicht geschrieben, sie ist total gechillt 🙂

Katze hat Angst beim Tierarzt; Freeze

Einige Tierarztpraxen machen sich diese beruhigende Wirkung zunutze und geben Ihren Angstpatienten (bzw. deren Menschen) routinemäßig zum nächsten Praxisbesuch Gabapentin mit. Die Dosierung solltest du dir von deinem Tierarzt/ deiner Tierärztin ausrechnen lassen, ebenso die Zeit, wann deine Katze die „Droge“ einnehmen soll.

Auch Gabapentin hat bei einmaliger Gabe meist keine Nebenwirkungen (Vorsicht bei nierenkranken Katzen!) und verändert ebenfalls nicht die Blutwerte. Steht eine OP an und benötigt deine Katze Narkosemittel, sprich auf jeden Fall mit deinem TA/deiner TÄ über die korrekte Verwendung von Gabapentin (und hier kommst du zu einer Studie, die dir und deinem Tierarzt zeigt, wie Gabapentin bei Katzen wirkt und wie es anzuwenden ist: Studie lesen!)

Bachblüten & Co

Aus meiner Erfahrung wirken sowohl Homöopathie als auch Bachblüten nur dann, wenn Symptome auftreten und nicht schon prophylaktisch. Daher setze ich sie gerne dann ein, wenn Stresssymptome tatsächlich da sind, sodass sie durch die richtige Mittelwahl gelindert werden.

 

Bspw. haben sich die Bachblüten-Notfalltropfen „Rescue Remedy“* NACH Operationen bewährt.

Ich wünsche dir und deinen Katzen in Zukunft entspannte Autofahrten!

Fellnasenpost Katja Henopp

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