Du liebst deine Katzen – und trotzdem hältst du den Atem an, sobald sie sich im selben Raum begegnen. 

Wenn deine Katzen ständig streiten, ist das ein Hinweis darauf, dass im Zusammenleben deiner Katzen etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. 

In diesem Artikel  lernst du, die feinen Signale deiner Katzen zu lesen, echtes Streiten von wildem Spiel zu unterscheiden, und du erfährst, wie du Schritt für Schritt  die Spannung in deinem Mehrkatzenhaushalt lösen kannst. Damit du am Ende nicht nur entspannte Katzen hast, sondern dich selbst wieder sicher fühlst in dem, was du tust.

Warum ich mich mit Katzenstreit so gut auskenne? Seit über 12 Jahren begleite ich als Katzenpsychologin Menschen, deren Katzen sich aus den unterschiedlichsten Gründen das Leben schwer machen. Mehr als 800 Katzenhalter:innen habe ich bisher beraten. Was ich dabei immer wieder sehe: Hinter Dauerstreit steckt fast nie der eine Grund, und fast nie ist es ein hoffnungsloser Fall. Genau diese Erfahrungen aus der Praxis findest du in diesem Artikel.

Bevor du überlegst, ob und wie du eingreifst, lohnt sich eine grundlegende Frage: Streiten deine Katzen überhaupt wirklich? 

Oder spielen sie nur wild miteinander?

Echtes Spiel zeichnet sich immer dadurch aus, dass es beiden Seiten Freude bereitet. Fehlt der Spaßfaktor bei einer Katze, dann handelt es sich nicht um Spiel. 

😺 Woran du echtes Spiel noch erkennst:

  • Die Rollen tauschen – mal spielt eine Katze die Jägerin, mal die Gejagte.
  • Auch wenn sich beide Katzen hinterherlaufen, ist fast nichts zu hören – bis auf das Getrappel der Pfoten.
  • Spiel mit Körperkontakt, also Raufereien oder Kabbeleien, sehen manchmal heftig aus. Aber auch hier gilt: Je leiser diese ablaufen, desto friedlicher. Nach der spielerischen Aktion schütteln beide sich kurz und machen weiter oder gehen friedlich auseinander.
  • Jede Katze respektiert das Signal  “Nein, ich will nicht mehr” und beendet das Spiel sofort. 

🙀 Daran erkennst du, dass es Ernst ist:

  • Es gibt keinen Rollentausch – eine Katze ist immer Jäger, die andere immer “Opfer”.
  • Eine Katze bedroht die andere, indem sie sie anstarrt und dann erst die Jagdsequenz beginnt
  • Die aggressive Katze geht auf die friedlichen Kommunikationsversuche, das Spiel zu beenden, nicht ein und setzt nach.
  • Oft flieht die gejagte Katze in ihrer Not und versteckt sich unter der Couch oder dem Bett.
  • Es fliegen nicht nur Haarbüschel, sondern die Katzen schreien auch und fügen sich im schlimmsten Fall  Verletzungen zu.
  • Die Jagd ist mit Fauchen, Knurren und lauten Schreien oder Jaulen verbunden

Wenn du mehr ins Detail gehen möchtest, lies meinen Blogartikel zum Thema “Katzen – Spielen oder kämpfen sie?”

👉🏼 Kämpfen meine Katzen oder spielen sie? – dort findest du noch mehr Beispiele und Erklärungen zu einzelnen Verhaltensweisen.

Ausgeglichene, gesunde Katzen, die normalerwiese mit Artgenossen gut auskommen, liegen nicht im Dauerclinch miteinander. Wenn sie es doch tun, ist irgendetwas in Schieflage geraten.

Aus meiner Erfahrung als Katzenpsychologin weiß ich, dass es meistens nicht den EINEN Grund gibt, sondern immer mehrere Faktoren für Dauerzoff. Lies dir die folgende Auflistung durch und schau, welche Punkte auf deine Stubentiger zutreffen. Nur so weißt du, an welchen Stellschrauben du drehen kannst, damit deine Lieblinge wieder miteinander klar kommen.

🥱 Langeweile und Frustration: Katzen, die nur in der Wohnung leben, die sich kaum verändert und keine Abwechslung an Geruch, Struktur oder neuen Lebewesen aufweist, haben ein großes Bedürfnis nach Jagd und Spiel. Wird dies durch Spiel mit dem Menschen nicht erfüllt, langweilt sich der Stubentiger und baut Frust auf. Und den kann Katze prima am Artgenossen auslassen.

🐈 Ein Neuzugang im Haushalt. Zieht eine neue Katze ein, verschiebt sich das gesamte Gefüge. Deine bisherigen Katzen müssen ihre Beziehungen neu verhandeln, und dabei brauchen sie oft menschliche Unterstützung. Bleibt die aus und läuft die Zusammenführung hoppla hopp, entstehen oft subtile Spannungen, die sich im Laufe der Zeit verselbständigen und zu offenen Konflikten führen können. Erst recht, wenn die Katzen nicht zusammen passen und sich unwohl miteinander fühlen.

😾🐭 Konkurrenz um Ressourcen. Reichen Futterplätze, Kratzbäume oder Katzenklos nicht für alle oder sind die ungleichmäßig verteilt, entsteht Druck. Eine schüchterne Katze, die sich jedes Mal an der anderen vorbeidrängen muss, um zu fressen oder aufs Klo zu gehen, reagiert zunehmend gestresster. Gerade in kleineren, unstrukturierten Wohnungen überschneiden sich die Reviere zwangsläufig. Ohne genug Rückzugsorte und klare räumliche Trennung bleibt keiner Katze ein Bereich, der wirklich ihr eigener ist. Die Folge: Unsicherheit und Daueranspannung.

🩺 Gesundheitliche Ursachen. Schmerzen und Erkrankungen können das Verhalten deiner Katze verändern. Sie reagiert gereizter, zieht sich zurück oder wird selbst zum Ziel, weil sie anders riecht oder sich anders bewegt als sonst. Deshalb steht der Tierarztbesuch am Anfang jeder Lösung.

🐈🐈‍⬛Katzen passen nicht zusammen: Eine WG aus Katzen, die von Spielverhalten, Alter und Persönlichkeit total unterschiedlich sind, kann nur unglücklich werden. So überfordert z. Bsp. ein übermütiger Kater, der gerne mit einem Kumpel rauft, eine ältere, zurückhaltende Katzendame völlig.

🪟🐈‍⬛ Umgerichtete Aggression. Sieht deine Katze z. Bsp. durchs Fenster eine fremde Katze im Garten, kann sich ihre Erregung gegen die Mitkatze richten, die gerade zufällig in der Nähe sitzt. Für dich wirkt das, als würde der Streit aus dem Nichts kommen – dabei liegt der eigentliche Auslöser ganz woanders. Lies dazu „Wenn Katzen sich plötzlich nicht mehr verstehen“

👀 Welcher dieser Punkte bei euch zutrifft, findest du am ehesten heraus, wenn du das Verhalten deiner Katzen über ein paar Tage bewusst beobachtest – wann, wo und in welcher Situation der Streit aufflammt.

Katzen streiten

Nicht jeder Dauerstreit ist gleich. Es gibt einen Unterschied zwischen Katzen, die sich häufig in die Haare geraten, und Katzen, bei denen eine gezielt die andere terrorisiert. Fachlich spricht man hier von Katzenmobbing.

Beim gewöhnlichen Streit gibt es immer wieder Phasen, in denen die Katzen zur Ruhe kommen oder auch mal zusammen auf der Couch liegen. Beim Mobbing gibt es mindestens eine Katze, die in chronischer Anspannung lebt , weil sie einer anderen Katze hilflos ausgeliefert ist. Diese lauert ihr auf, blockiert subtil Wege oder Katzenklos, und selbst wenn das „Opfer“ flieht, lässt sie nicht locker.

Für die betroffene Katze bedeutet das Dauerstress. Sie kann sich nirgends mehr wirklich entspannen, weil die Bedrohung jederzeit zurückkehren kann. Erkennst du dieses Muster bei euch, reicht es meist nicht, nur an der Umgebung zu schrauben – hier braucht es gezielte Ursachenforschung und oft auch fachliche Begleitung.

Lies dazu Mobbing bei Katzen erkennen.

Gerade weil du deine Katzen liebst und genau hinschaust, ist dein erster Impuls vermutlich, sofort dazwischenzugehen, sobald es brenzlig wird. Das ist verständlich – aber nicht immer richtig. 

Kommunikation unter Katzen bedeutet ja, dass sie sich dem anderen verständlich machen müssen, auch dann, wenn sie ihr Missfallen ausdrücken möchten.

Faucht eine Katze die andere an, will sie sich nicht direkt auf sie stürzen, sondern ihr zu verstehen geben: “Komm mir nicht zu nahe – halte Abstand!” Ein eher defensiver Laut, den du auch manchmal in einer Rangelei hörst. Hier möchte die Katze sagen: “He, mach mal nicht so wild!”

Wenn du jedes Fauchen und jedes Gerangel unterbindest, nimmst du gerade  deiner zurückhaltenden Katze die Möglichkeit, selbstbewusster zu werden, indem sie kleine Meinungsverschiedenheiten selbst  klärt.

Eine Kundin sagte einmal in diesem Zusammenhang zu mir: “Was mir richtig geholfen hat, war deine Aussage: ‘Trau deinen Katzen doch mal was zu!’”

✋ Halte dich zurück, wenn …

  • deine Katzen sich schon nach wenigen Minuten wieder freundlich verhalten – sie putzen sich gegenseitig oder liegen entspannt nebeneinander.

  • sie die Sache unter sich regeln: Die eine hebt warnend die Pfote oder faucht kurz, und die andere akzeptiert das und zieht sich zurück.

  •  deine Katzen sich gegenseitig putzen und dann miteinander kämpfen – eine normale “Putzkabbelei”, wie ich sie immer nenne

Katzen streiten immer abends
kurze, harmlose Rauferei unter Freundinnen

⚠️ Greif ein, wenn …

  • du bedrohliche Signale wie starres Fixieren der anderen Katze wahrnimmst

  • die verfolgte Katze sich über mehrere Minuten oder sogar länger versteckt.

  • sie angespannt bleibt, sobald die andere den Raum betritt.

  • sie geduckt und vorsichtig durch die Wohnung schleicht, statt sich frei zu bewegen.

  • die bedrängte Katze älter ist oder Schmerzen hat – sie kann sich schlechter wehren und braucht deinen Schutz.

  • eine deiner Katzen vor lauter Stress unsauber wird oder harnmarkiert.

Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel hinschauen als ein echtes Leiden übersehen. 

 Wie du reagierst, wenn es doch einmal richtig eskaliert, ohne die Lage noch zu verschärfen, schauen wir uns als Nächstes an.

Manchmal summieren sich kleine Reibereien, oder ein Schreckmoment reicht – und plötzlich stehst du mitten in einer bedrohlichen Situation, in der deine Katzen schreiend und jaulend ihre Wut oder Angst rauslassen.

Da Katzen blitzschnell zwischen Ruhe und Erregung wechseln, bleibt dir keine Zeit zum Ablenken.

Was hilft jetzt wirklich?

Erstmal: Bleib ruhig. Atme durch, beweg dich langsam. Deine eigene Anspannung überträgt sich sofort auf deine Katzen und heizt die Lage nur weiter an.

  • Sprich leise und mit sanfter Stimme, sei ruhig präsent. Schimpfen oder Schreien hilft überhaupt nicht – das pusht nur den Stress.
  • Schaff Raum und unterbrich den Sichtkontakt.
  • Stell dich ruhig dazwischen, oder halt ein Kissen oder ein Stück Pappe zwischen die beiden, damit sie sich nicht mehr anstarren können.
  • Achte darauf, dass die bedrohte Katze einen freien Fluchtweg hat.
  • Greif niemals mit bloßen Händen dazwischen – in dieser Erregung kann sich die Aggression blitzschnell gegen dich richten, ohne böse Absicht. Es geht hier nur um Sicherheit, nicht um Machtworte oder Strafe.
  • Ist der akute Moment vorbei, brauchen beide erst mal Abstand.
  • Bring sie in getrennte Räume – am besten jeweils ein richtiges Wohlfühl-Zimmer mit allem, was sie brauchen.
  • Erst wenn beide wieder entspannt sind, näherst du sie langsam wieder an – und verbindest das Wiedersehen mit was Schönem, zum Beispiel Futter oder gemeinsamem Spiel.

Mehrkatzenhaushalt katzen beschäftigen, ressourcen, gestresste aggressive katzen beruhigen

Vielleicht hast du das Bild von zwei Katzen im Kopf, die zusammen schlafen, sich gegenseitig putzen und unzertrennlich sind. Dieses Bild ist wunderschön – aber es ist nicht der einzige Maßstab für ein gelungenes Zusammenleben, und es ist längst nicht für jedes Katzenpaar erreichbar.

Katzen sind fakultativ sozial. Das heißt: Sie können enge Freundschaften schließen oder andere Katzen tolerieren, müssen es aber nicht. Manche Katzen werden eben glücklicher ohne Artgenossen.

Dein Ziel muss deshalb nicht die große Liebe sein. Ein entspanntes Nebeneinander ist ein voller Erfolg:

Und wie genau das gelingen kann, das schauen wir uns jetzt an.

Bevor du an der Beziehung deiner Katzen arbeitest, gehört eine Sache an den Anfang: ein Gesundheitscheck. Denn Schmerzen oder eine beginnende Erkrankung können beides auslösen – Aggression genauso wie Rückzug. Eine Katze, der etwas wehtut, ist schneller gereizt und reagiert ruppiger; eine kranke Katze wird manchmal selbst zur Zielscheibe, weil sie sich anders verhält oder anders riecht.

Lies meinen Artikel 👉🏼„Schmerzen bei Katzen erkennen“

Wenn die akute Lage entschärft und deine Tiere durchgecheckt wurden, beginnt die eigentliche Arbeit – und die passiert nicht im Streitmoment, sondern im Alltag drumherum. Zwei Stellschrauben sind dabei besonders wirkungsvoll: wie deine Wohnung eingerichtet ist und wie gut deine Katzen ausgelastet sind.

„Der erste und wichtigste Schritt in jedem Mehrkatzen-Haushalt, egal ob bei Konflikten im bestehenden, in Hinblick auf den geplanten Neuzugang oder die Gründung einer Patchworkfamilie, ist immer das Optimieren von Ressourcen.“(Veterinärmedizinerin Sabine Schroll, „Mehrkatzenhaushalt“, 2022)

Viele Konflikte lösen sich überraschend leicht auf, wenn deine Katzen einander aus dem Weg gehen können und nicht um das Wichtigste konkurrieren müssen. Denn Konflikte verschärfen sich, wenn die Konkurrenz um wichtige Ressourcen zu groß wird.

Sorge deshalb für genügend sichere Rückzugsorte, auf allen Ebenen, aber besonders in der Höhe: ein Regalbrett, ein Platz auf dem Schrank, eine Hängematte am Kratzbaum. Von oben hat eine Katze den Überblick und fühlt sich sicher. 

Auch höhlenartige Verstecke kommen bei Katzen gut an, weil sie sich dort geschützt fühlen.

Beispiele für günstige Lösungen:

  • Pappkarton auf der Seite liegend (Dach + Wände, einfacher Zugang)
  • Katzentransportbox — dauerhaft offen und zugänglich aufstellen 

Rückzug für sich streitende Katzen
scheue katze transportieren

 Die sicheren Plätze  sollten über die Wohnung verteilt sein – nicht alle im selben Raum – und idealerweise zwei Zugänge haben, damit sich keine Katze in eine Sackgasse drängen lässt.

Dasselbe gilt für die wichtigen Ressourcen: Futter, Wasser, Katzenklo, Kratzmöglichkeiten und Schlafplätze. 

Es reicht aber nicht, genügend Ressourcen bereit zu stellen, sondern sie auch gleichmäßig im Haus zu verteilen.

Verteile Futter- und Wasserstellen, Kratzmöglichkeiten, Toiletten und Schlafplätze  räumlich so, dass keine Katze die andere kontrollieren kann, indem sie sich einfach davor setzt oder den Zugang blockiert.

 Wenn deine Katze nicht erst an einer Mitbewohnerin vorbei muss, um ans Futter oder aufs Klo zu kommen, nimmst du unzähligen kleinen Reibereien von vornherein den Nährboden.

Erinnerst du dich an das Muster von vorhin – dass sich viele Katzen besonders abends oder nachts streiten?  Genau hier setzt der zweite Hebel an. Deine Katze ist von Natur aus eine Jägerin, und wenn diese Energie kein Ziel findet, sucht sie sich eins: oft die Mitkatze, die dann belauert, bedrängt und gejagt wird.

Gib dieser Energie deshalb ein sinnvolles Ventil. 

  • Spiele regelmäßig getrennt mit deinen Katzen, am besten mit einer Federangel, einer Schnur unter einer Decke oder einem ähnlichen Spielzeug, das eine Beute nachahmt.

  • Lege eine Spieleinheit am besten kurz vor die typische Streit-Zeit, also etwa in den frühen Abend. Eine Katze, die ihre Jagdlust voll ausleben durfte, hat danach schlicht keine Lust mehr, ihre Energie an der anderen abzuarbeiten.

So beendest du den Katzenstreit, bevor er beginnt.

💡 Vergiss dabei aber nicht deine zurückhaltende Katze, die beim gemeinsamen Spiel nur zuschaut. Spiele mit ihr alleine, um ihr Selbstvertrauen zu stärken – ein wichtiger Baustein, um sich gegenüber übergriffigen Katzen zur Wehr zu setzen.

Neben Raum und Auslastung kannst du die Beziehung deiner Katzen auch ganz aktiv verbessern – indem du dafür sorgst, dass sie wieder Positives miteinander verbinden. Dafür hast du zwei einfache Methoden, die du in deinen Alltag einbauen kannst.

Schöne Momente zu zweit, dritt oder viert schaffen. Lass deine Katzen zur gleichen Zeit etwas Schönes erleben – aber so, dass jede sich voll auf ihr eigenes Erlebnis konzentrieren kann, ohne Konkurrenz und ohne Stress. Besonders gut klappt das mit Funboards oder anderen Futterspielen, an denen beide gleichzeitig, aber jede für sich knobeln.

So entsteht nach und nach eine neue, unterschwellige Botschaft im Kopf deiner Katzen: „Wenn die andere in der Nähe ist, passieren tolle Dinge. Die andere Katze ist wohl gar nicht so übel!“

Ruhiges Verhalten gezielt belohnen. Im akuten Moment, wenn eine Katze die andere schon fixiert und nicht aus den Augen lässt, kannst du mit Lob nichts ausrichten, wohl aber mit ruhiger, sanfter Stimme, die beide Katzen beruhigt.

Pass deshalb den richtigen Augenblick ab: Wenn die Katze, die sonst den Streit anzettelt, ganz entspannt um sich schaut, gähnt oder blinzelt, statt zu starren, dann sprich freundlich mit ihr, lobe sie oder gib ihr ein Leckerchen. 

Du belohnst damit gezielt friedliches Verhalten – und je öfter du das tust, desto mehr lernt deine Katze, dass sich Ruhe und Gelassenheit für sie auszahlen.

Damit du nicht überlegen musst, wo du anfängst, hier die wichtigsten Schritte in der richtigen Reihenfolge:

  1. Schmerzen ausschließen. Lass beide Katzen tierärztlich durchchecken, bevor du an der Beziehung arbeitest.
  2. Raum und Ressourcen schaffen. Sorge für genügend, räumlich getrennte Rückzugsorte und Schlüsselressourcen, damit alle Katzen ohne Stress aneinander vorbei kommen.
  3. Energie kanalisieren. Plane feste Jagd-Spieleinheiten ein, am besten kurz vor der typischen Streit-Zeit am Abend.
  4. Positiv verstärken. Schaffe schöne gemeinsame Erlebnisse und belohne jeden ruhigen, friedlichen Moment zwischen deinen Katzen. 
  5. Ruhig bleiben und dranbleiben. Reagiere im Akutfall gelassen statt strafend, gib deinen Katzen Zeit – und hol dir Unterstützung, wenn die Lage festgefahren bleibt.

Mehrkatzenhaushalt, Katzen streiten

Warum wird es zwischen deinen Katzen einfach nicht entspannter?

Hol dir den kostenlosen Ratgeber und versteh endlich, was wirklich hinter dem Streit steckt.

Fünf Fehler, die gut gemeint sind — und die Situation trotzdem verschlimmern. Wahrscheinlich kennst du einige davon bereits. Vielleicht hast du sie selbst schon angewendet, ohne zu wissen, was sie bei deinen Katzen auslösen.

Wenn Katzen streiten, ist der Druck groß, irgendetwas zu tun – und an Empfehlungen und Mittelchen mangelt es nicht. Doch nicht alles, was angeboten wird, hilft wirklich, und manches lenkt dich sogar vom eigentlichen Problem ab.

Der hartnäckigste Irrtum ist die Vorstellung, eine deiner Katzen sei „dominant“ und du müsstest ihr dieses Verhalten abgewöhnen.

 Das funktioniert nicht – und zwar nicht, weil du es falsch anstellst, sondern weil es bei Katzen keine feste Rangordnung gibt, die eine Katze an die Spitze stellt. Es gibt kein „Alpha-Tier“, das man entthronen müsste. 👉🏼Mythos Rangordnung

Du kannst einer Katze also gar kein „Dominanzverhalten“ abtrainieren, weil das schlicht der falsche Ansatzpunkt ist. Du würdest gegen ein Phantom kämpfen, während die wahre Ursache unangetastet bleibt.

Das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn an jedem einzelnen dieser Punkte kannst du etwas ändern. Genau darum ging es im Abschnitt davor.

Eine gute gemeinte, aber zu pauschale Empfehlung : Nimm eine weitere Katze hinzu und dein Problem ist gelöst. 

Als hätten alle Unstimmigkeiten zwischen individuellen Katzen die immer gleichen Ursachen. Eine weitere Katze ist nur dann eine gute Lösung, wenn damit alle Katzen ein bedürfnisgerechtes Leben führen können.

✔️ Ein junger, verspielter Kater, der mit einer Senior-Katze zusammenlebt, profitiert wahrscheinlich von einem gleichaltrigen ebenso verspielten Kater, mit dem er raufen kann. Damit ist auch der älteren Katze geholfen, die nun ihrem Bedürfnis nach mehr Ruhe nachkommen kann.

 Bachblüten zum Beispiel klingen sanft und natürlich, nur fehlt ihnen jeder Wirknachweis – ein Haltungs- oder Beziehungsproblem lösen sie nicht.

 Etwas differenzierter ist es bei Pheromonen wie Feliway: Die sind nicht per se nutzlos. Sie können tatsächlich unterstützen, wenn eine Katze in eine neue Umgebung zieht oder sich gerade erst einlebt. 

Bei einem lange bestehenden Konflikt zwischen Katzen, die sich längst gut kennen, stoßen sie aber an ihre Grenzen – da richten sie nichts aus, weil die Ursachen tiefer liegen.

💡🐈🐈‍⬛In meinem Kurs „Weniger Streit, mehr Miteinander“ lernst du Schritt für Schritt, was hinter den Konflikten in deinem Mehrkatzenhaushalt wirklich steckt – und was du konkret verändern kannst.

Du hast jetzt einige Tipps bekommen, um die Spannung zwischen deinen Katzen zu lösen – und vielleicht reicht das schon, um wieder Harmonie in euer Zuhause zu bringen.

 Manchmal aber kommt man an einen Punkt, an dem man trotz allem nicht weiter weiß: weil die Situation festgefahren ist oder weil man einfach unsicher ist, ob man gerade das Richtige tut. Sich dann Unterstützung zu holen, fühlt sich erleichternd an.

Hier begleite ich dich und deine Katzen:

Fazit

Wenn deine Katzen ständig streiten, ist das anstrengend – für sie und für dich. Aber es ist kein endgültiger Zustand und schon gar kein Urteil über dich. Dauerstreit ist ein Hinweis darauf, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, und Gleichgewicht lässt sich wiederherstellen: indem du genau hinschaust, ob es überhaupt echter Streit ist, indem du Schmerzen ausschließt, deinen Katzen Raum, Ressourcen und Auslastung gibst – und ihnen gleichzeitig erlaubst, vieles selbst zu klären.

Sei dabei geduldig, mit deinen Katzen und mit dir. Du musst nicht perfekt sein und auch nicht jede Spannung sofort auflösen. Was zählt, ist, dass du aufmerksam und ruhig dabei bleibst. Genau das tust du gerade, indem du dich so intensiv mit dem Thema beschäftigst – und genau das brauchen deine Katzen, um sich wieder zu vertragen und friedlich miteinander zu leben..

Was tun, wenn sich deine Katzen plötzlich nicht mehr verstehen?

 Trenne die beiden zunächst ruhig und ohne Schimpfen, damit sich alle beruhigen, und lass beim Tierarzt Schmerzen ausschließen. Zwing sie nicht sofort wieder zusammen, sondern nähere sie langsam und mit positiven Erlebnissen aneinander an. Ein plötzlicher Umschwung deutet oft auf umgerichtete Aggression hin – mehr dazu liest du in der Geschichte von Kater Wicki und Katze Pixie.

Wie lange dauert es, bis sich meine Katzen wieder vertragen?

 Das lässt sich nicht pauschal sagen. Mal sind es ein paar Tage, mal mehrere Wochen oder Monate – je nachdem, wie lange der Streit schon besteht, wie heftig er ist und wie deine Katzen ticken. Als Faustregel gilt: Je länger der Konflikt schwelt, desto mehr Geduld braucht die Versöhnung.

Welche Ursachen hat Dauerstreit zwischen Katzen??

Dahinter steckt fast nie Dominanz, sondern meist Stress: zu wenige oder schlecht verteilte Ressourcen, Langeweile und Frust, eine unpassende Sozialisation, übersehene Bedürfnisse oder auch Schmerzen. Ebenso spielen Veränderungen im Alltag und menschliche Fehldeutungen eine Rolle. Die gute Nachricht: An fast allen Punkten kannst du etwas ändern.

Muss ich eine der Katzen abgeben?



 In den allermeisten Fällen nicht. Mit den richtigen Schritten lässt sich fast jede Katzenbeziehung verbessern – zumindest bis zu einem friedlichen Nebeneinander. Eine Katze abzugeben ist immer der allerletzte Ausweg und nur dann sinnvoll, wenn eine trotz aller Bemühungen dauerhaft leidet. Hol dir vorher unbedingt fachliche Unterstützung.


Katja Henopp Leben mit Katze, katzenpsychologin

ist Katzenpsychologin mit über 12 Jahren Erfahrung in der Verhaltensberatung von Katzen.

Sie unterstützt Katzenhalterinnen dabei, die Sprache und Gefühle von Katzen zu verstehen, Konflikte zu entschärfen und Schmerzen frühzeitig zu erkennen.

Ihr Schwerpunkt liegt auf dem spannungsgeladenen Mehrkatzenhaushalt, in dem es immer wieder zu Konflikten zwischen Katzen und zum Harnmarkieren kommt.

Ihr Wissen gibt sie im Blog, Leben mit Katze Podcast und in ihrem Mitgliederbereich „Leben mit Katze Club“ weiter.

Auch interessant für dich