Die Hauruck-Methoden, wie man Katzen einander vorstellt, sind zum Glück schon lange aus der Mode gekommen und das aus gutem Grund.
Der Einzeljäger Katze, der auch gut ohne Artgenossen leben kann, akzeptiert fremde Katzen am ehesten, wenn du dabei rücksichtsvoll und einfühlsam vorgehst und ihn bei der Vergesellschaftung begleitest. Nur so fühlen sich beide Katzenparteien sicher und wohl und freunden sich im besten Falle an.
Da ich als Verhaltensberaterin für Katzen schon einige Hundert Katzen zusammengeführt habe, weiß ich aus Erfahrung:
Für bestimmte Katzentypen und Situationen bietet sich eine sog. kontrollierte Zusammenführung an einer Gittertür an. Diese Methode funktioniert auch bei Katzen, die sich aufgrund eines Schreckerlebnisses plötzlich nicht mehr verstehen.
Inhalt
Wann ist diese Methode der Vergesellschaftung sinnvoll?
Nicht bei allen Katzen-Kombinationen benötigst du eine Gittertür oder ein Netz, um sie einander bekannt zu machen.
Bei sozial gut verträglichen Katzen reicht es auch, wenn du der neuen Katze ein separates Zimmer einrichtest, in dem sie sicher ankommen kann.
Die alteingesessenen Katzen nehmen dann nach und nach mit Hilfe von Leckerchen, Spiel und einem offenen Türspalt Kontakt zum neuen Artgenossen ein.
Wie du sozial verträgliche Katzen einander vorstellst, liest du in: “Eine neue Katze zieht ein”.
Eine Zusammenführung an einem Gitter, die du steuerst und kontrollierst, ist bei bestimmten Katzen-Konstellationen sinnvoll:
- Wenn deine alte Katze ihren Sozialpartner, mit dem sie eng verbunden war, verloren hat. Dann solltest du auf jeden Fall zunächst eine Zeitlang abwarten, bis die 👉 Trauerphase deiner Katze vorüber ist. Einen Freund ersetzt man nicht mal so nebenher – auch bei Katzen nicht.
- Auch wenn du im Begriff bist, eine Katze mit problematischer Vergangenheit aufzunehmen in deine bestehende Katzengruppe oder zu deiner Einzelkatze. Problematisch heißt, dass sie z. B. von einer anderen Katze in ihrem alten Zuhause gemobbt wurde oder sie bereits mehrere Monate oder gar Jahre im Tierheim zugebracht hat.
Je sanfter und freundlicher du die beiden Katzen aneinander gewöhnst, desto günstiger die Prognose.
- Möglicherweise hast du mit einem Katzen-Dreamteam zusammengelebt und dieses versteht sich plötzlich nicht mehr. Die eine Katze jagt die andere, 👉es kommt zu Kämpfen und eine der Katzen hat Angst und läuft geduckt durch die Wohnung. Um die beiden Katzen zusammenzuführen, bietet sich eine Gittertür (Glastüren übrigens auch, wenn die Katzen sich nicht gerade spinnefeind sind) an.
- Wenn du ein Kitten mit einer alten Katze zusammenbringen möchtest, geht dies meistens schief. Zu verschieden sind die unterschiedlichen Bedürfnisse der beiden Katzen. Warum dies so ist, liest du hier:
👉 „Kitten und ältere Katze vergesellschaften“
Du hast dich dazu entschieden, die „alte“ und die „neue“ Katze an einer Tür zusammenzuführen.
Wie geht es nun weiter?
Die Gittertür – das solltest du beachten
Mittlerweile gibt es eine Fülle an Netzen, Fliegengittern oder Gittertüren passgenau zu kaufen.
Bei der Begleitung von 👉 den Katzen Wicki und Pixie, die sich plötzlich nicht mehr verstanden, wählten die Katzenhalter eine Fliegengittertür. Eine gute Wahl, da du sie nicht selbst bauen musst, sie leicht zu handeln ist und weil die Pfoten der Katzen nicht durch das Netz hindurchkommen.
Das ist überaus wichtig, damit sich deine Katzen nicht gegenseitig verletzen können – das wäre ein herber Rückschlag beim Sich-Kennenlernen.
Der ideale Ort für die Tür
Ein weiterer wichtiger Punkt, den du beachten solltest, ist der Standort der Tür. Auch diese Wahl ist extrem wichtig, weil du mit einer Fehlentscheidung dein Ziel vlt. nicht erreichst.
Überlege vorher gut, welche Trennungsmöglichkeiten in Betracht kommen. Handelt es sich um eine neue Katze, bietet sich die Trennung zwischen „Gastzimmer“ und dem Rest der Wohnung an. Möchtest du deine plötzlich verfeindeten Katzen wieder zusammenführen, sollten die Reviere, wenn möglich, ähnlich attraktiv für jede Katze sein.
Und du solltest täglich die Reviere tauschen, damit keine der Katzen territoriale Ansprüche entwickelt oder extrem unzufrieden mit seiner Wohnsituation ist. Mit ständiger Unzufriedenheit ist dein Projekt nämlich zum Scheitern verurteilt.
Katzen zusammenführen
Alles gut und schön – du hast den idealen Platz für deine perfekte Gittertür gefunden, aber weißt nicht, was du nun weiter tun sollst, wenn du deine beiden Katzen aneinander gewöhnen willst.
Kurz gesagt: Du stellst deine Katze der anderen Katze (erneut) vor. Die Tiere lernen sich also ganz neu kennen. Da der erste Eindruck zählt und du ihn nicht mehr rückgängig machen kannst, ist es so wichtig, eine positive Stimmung herzustellen.
Und das gelingt am allerbesten, wenn die Katzen im Beisein der anderen etwas bekommen, was sie mega toll finden. Das kann Futter sein, besondere Leckerchen oder eine Clickereinheit.
Der Gedanke, der dahinter steckt: Ich bekomme immer etwas Tolles, wenn die andere Katze dabei ist. Sie scheint doch gar nicht so übel zu sein. Die mag ich sogar, die kann bleiben.
Und du sorgst dafür, dass immer gute Stimmung herrscht.
Achtung! Das schaffst du nur, wenn du kontrollierst, was an der Gittertür abläuft. Mache also nicht den Fehler, den meine Kundinnen und Kunden machen, bevor sie mich konsultieren. Sie verhängen das Netz nicht bzw. schließen nicht die Tür.
Ein böser Fehler, weil eine Katze der anderen Angst machen kann, indem sie am Gitter hochspringt, die andere anstarrt oder die Tür belauert.
So wird es schwierig, die Katzen zusammenzuführen.
Und deshalb bedarf es eines Sichtschutzes in der Zeit, in der du nicht mit deinen Katzen trainierst. Du kannst die Tür mit einem Vorhang, einem Tuch, einem großen Pappstück o.ä. zuhängen. Sei kreativ. Im besten Fall hast du immer noch die Möglichkeit, die Zimmertür trotz Netzes einfach zu schließen.

Beide Katzen aneinander gewöhnen
Du solltest den Sichtschutz morgens und abends abhängen (oder die Tür vor dem Netz öffnen) und deinen Katzen etwas Schönes in dieser kurzen Zeitspanne anbieten.
Da gibt es so viele individuelle Möglichkeiten wie es Katzencharaktere gibt. Ich rate zunächst dazu, mit etwas Unaufgeregtem, aber beliebtem, zu beginnen, z.B. der normalen Fütterung. Nicht aufregend, sondern wohltuend.
Wildes Spiel mag riesigen Spaß machen, aber deine Katze bewegt sich dabei viel, was die zweite Katze ängstigen kann. Oder die bespielte Katze ist so aufgeregt, dass sie gegen das Netz springt. Du kannst dir sicher ausmalen, dass die beiden Katzen sich dann nur schwer aneinander gewöhnen.

Beliebte Leckerchen verteilen ist ebenfalls eine gute Option – aber nur in dem Abstand, in dem sich beide Katzen wohl und sicher fühlen.
Katzen zusammenführen – Extra-Tipps
Wozu ich meinen Kundinnen und Kunden immer rate, wenn sie ihre Katzen miteinander bekannt machen, ist das Clickertraining. Also das Einüben leichter Trickübungen, die die Katzen beim Training an der Gittertür zeigen können. Aus zwei Gründen: erstens werden dabei Belohnungshormone freigesetzt (z.B. das Dopamin), wodurch sich die Katze großartig fühlt und zweitens erfordert es eine hohe Konzentrationsfähigkeit von der Clickerkatze. Sie hat dann gar keine Zeit mehr, ihre Mitkatze bedrohlich anzustarren oder Angst zu haben.
Gerade Zusammenführungen zwischen vormals befreundeten Katzen sind langwierig. Denn hier sitzt das Misstrauen sehr tief. Dieses gilt es zu überwinden und dazu brauchst du Geduld, die richtige Technik und eben den Einsatz des Clickertrainings.

Bist du Neuling auf diesem Gebiet kann ich dir die „Clickerbox“* von Birgit Rödder sehr ans Herz legen. Den einzelnen Trainingskarten liegen ein Einführungsbüchlein sowie ein Clicker bei. Du kannst also gleich starten.
Bitte konditioniere deine Katzen erst auf den Clicker, damit sie wissen, was du überhaupt von ihnen willst. Wie du dabei am besten vorgehst, hörst du in meiner Podcastfolge:
🎧 Folge 15 – „So klappt es mit der Konditionierung“ anhören
Die Sprache deiner Katzen verstehen
Eine Zusammenführung an der Gittertür dauert Wochen bis Monate, je nach Erfahrungen der Katzen und dem Misstrauen, das in ihnen verankert ist.
Da solltest du wissen, ob sich die Arbeit lohnt oder ob es nicht besser für Menschen und Katzen ist, für eine der Katzen ein neues, liebevolle Zuhause zu suchen.
Wenn du die Sprache deiner Katzen verstehst, fällt es dir leichter, zu erkennen, ob sich deine Katzen näher kommen.
Meist gibt es verschiedene Phasen der Annäherung:
Wenn du beginnst, deine Katzen zusammenzuführen, ist es normal, wenn eine Katze faucht. Damit zeigt sie der anderen, dass sie mehr Abstand braucht.
Eine Katze starrt die andere auch oft an, was für diese bedrohlich wirkt.
Je besser du darin wirst, deine Katzen beim gemeinsamen Füttern oder Clickern an der Tür zu belohnen, desto entspannter werden sich deine Fellnasen zeigen.
Sie werden dann nicht mehr fauchen, knurren oder die neue Katze (oder die alte) permanent anstarren. Die Katzen gewöhnen sich langsam aneinander.
Wie lange dies Annäherung dauert, kann man vorher schwer einschätzen.
Anzeichen, dass die Zusammenführung gut läuft
Wenn du diese Verhaltensweisen bei deinen Katzen bemerkst, nähern sich deine Katzen einander an:
– die Katze blinzelt, gähnt, schaut weg;
– die Katze putzt sich;
– die Katzen nähern sich behutsam an, berühren sich mit den Nasen und gurren oder machen einen wohligen Buckel.
Es sieht so aus, als könntest du die Trennung der beiden (bald) aufheben.
In meinem Blogartikel 👉 Gute Zeichen einer Zusammenführung erhältst du noch mehr Infos.
Anzeichen, dass die Vergesellschaftung schlecht läuft
– eine der Katzen starrt die andere an, d.h., sie bedroht sie;
– eine Katze versteckt sich;
– eine Katze ist immer angespannt, was du an ihrer geduckten Körperhaltung erkennst;
– eine der Katzen traut sich auch nach Wochen nicht weiter nach vorne ans Gitter;
– eine Katze knurrt oder jault & singt.
Die Vergesellschaftung läuft schief?
Wenn du schon mehrere Wochen versuchst, die Katzen zusammenzuführen und deine Katzen verhalten sich immer noch so aggressiv oder ängstlich, dann brauchst du definitv Hilfe.
Gar nicht so einfach, eine solche Zusammenführung richtig zu gestalten, sodass es für deine Katzen passt. Auch die Deutung der Körpersprache setzt einiges an Wissen & Erfahrung voraus.
Um dir die Vergesellschaftung deiner Katzen zu erleichtern, habe ich eine detaillierte Anleitung erstellt mit echten Trainingsfotos, Möglichkeiten der Trainingsangebote und Fehlern, die es zu vermeiden gilt. Weiterhin lernst du, wie du ein Entspannungssignal einübst, es richtig anwendest und die Sprache deiner Katzen richtig deutest.
Und natürlich, wann es Zeit ist, die Tür zu öffnen…
Ausblick: Nach der gelungenen Bekanntmachung
Die Zusammenführung deiner Katzen an der Gittertür hat funktioniert. Der Friede soll aber nicht nur kurz, sondern von Dauer sein.
Einen schützenden Sichtschutz oder eine schützende Trennwand gibt es nicht mehr. Gerade in einer größeren Katzengruppe und bei Katzen, die sich nicht mögen, sondern mehr oder weniger nebeneinander herleben, ist es enorm wichtig, deine Wohnung katzengerecht zu gestalten.
Insbesondere sind Rückzugsplätze in der Höhe enorm wichtig, um das Selbstvertrauen der zurückhaltenden Katze zu stärken und Harmonie unter den Katzen zu fördern.
Dies gelingt dir leicht, wenn du meine Tipps in meinen 🛒 „Cat Papers – Die ideale Wohnung aus Katzensicht“ beherzigst.
Auch wenn deine Katzen nach erfolgreichem Zusammenführung wieder friedlich zusammenleben, behalte die gemeinsamen schönen Rituale des Leckerchenverteilens und des Tricktrainings mit dem Clicker unbedingt bei.

Hallo,
ich bin Katja Henopp, Katzenpsychologin und Verhaltensberaterin für Katzen.
Seit über 12 Jahren berate ich Katzenmenschen, wenn sie sich Sorgen um das Verhalten ihrer Katzen machen.
Dabei stehen das Erkennen von Schmerzen bei unseren Katzen sowie der disharmonische Mehrkatzenhaushalt im Fokus meiner Beratungen.










