von subtilen Täterkatzen und unglücklichen Opferkatzen

Mobbing unter Katzen ist ein ernstes Problem, das in Mehrkatzenhaushalten, in denen die Katzen nicht gut zueinander passen, häufiger vorkommt Die Grenze zwischen dauerndem Streit und echtem Mobbing ist oft schwer zu erkennen – sie hängt stark von den Persönlichkeiten der beteiligten Katzen ab und kann fließend sein.

Wird eine Katze dauerhaft von einem ihrer Artgenossen angegriffen, verfolgt oder bedrängt, leidet ihre Lebensqualität erheblich. Anhaltender Stress kann die Gesundheit der gemobbten Katze ernsthaft beeinträchtigen – sowohl körperlich als auch psychisch. Umso wichtiger ist es, die Warnsignale früh zu erkennen und gezielt zu handeln, bevor sich die Situation festigt.

In diesem Artikel erfährst du, woran du Mobbing bei Katzen erkennst – auch auf Seiten der “Täterkatze”- , welche Ursachen dahinterstecken und was du konkret tun kannst, um allen Katzen in deinem Haushalt ein harmonisches Miteinander zu ermöglichen.

Mobbing bei Katzen bedeutet, dass es eine Opferkatze gibt, die über einen längeren Zeitraum von mindestens einem der anderen Artgenossen schikaniert und bedroht wird, sich aber aus dieser Situation aus eigener Kraft nicht befreien kann.

In der Praxis sieht das bei Mobbing so aus, dass die mobbende Katze die andere regelrecht bewacht, ihr in engen Fluren auflauert, Durchgänge blockiert, sie mit starrem Blick fixiert und sie damit subtil bedroht. Leider bleiben diese leisen Signale oft unbemerkt oder sie werden falsch interpretiert.

  • Die „Opferkatze“ ist in ihrer Bewegung eingeschränkt, da sie sich an ihrem Feind nicht vorbeitraut – auch nicht auf die Toilette, wenn sie in einem ungeschützten Bereich liegt. Unsauberkeit ist eine häufige Folge davon.
  • Auch ist sie permanent gestresst, was man an ihrer angespannten Körperhaltung, ihrem geduckten Gang und einem reduzierten Spielverhalten erkennt. Sie zieht sich zurück, nimmt immer weniger am Familienleben teil, ist kaum noch präsent. Da es sich um einen schleichenden Prozess handelt, fallen Veränderungen erst auf, wenn sich die unglückliche Katzen-Konstellation schon verfestigt hat.
  • Die beiden Kontrahentinnen kommunizieren in keiner Situation friedlich miteinander, sie prügeln sich aber auch nicht. Mobbing-Katzenhaushalte fühlen sich eher still und unheilvoll an. Zumindest habe ich diesen Eindruck von meinen Hausbesuchen als Verhatensberaterin für Katzen mitgenommen.

In einer „normalen“ Streitsituation kommunizieren die beiden Katzen miteinander, wenn auch oft nicht freundlich. Fauchen, Pfotenhiebe und Gekreische sind Ausdrucksmittel, um die andere Katze in ihre Schranken zu weisen und sie auf Distanz zu halten.

Es kommt auch vor, dass eine Katze die andere jagt oder von ihrem Platz verjagt. Aber diese Situationen sind kein Dauerzustand, sie lassen sich oft friedlich regeln und die Katzen zeigen sich wieder entspannt.

Beim Mobbing gibt es keinen Rollenwechsel und keine Pause. Die Opferkatze ist dauerhaft auf der Hut, permanent im Stress – ohne Ausweg. Und das ist die Hölle!

Wenn wir an Mobbing denken, haben wir schnell ein Bild vor Augen: eine fiese, dominante Katze, die aus reiner Bosheit die andere schikaniert. Doch mit dieser Sichtweise tun wir nicht nur den Katzen Unrecht, sondern wir handeln auch falsch.

Wenn wir uns vor Augen führen, dass es keine Hierarchie unter Katzen gibt, folglich auch keinen Boss, dann muss uns klar sein, dass wir mit einschüchternden Methoden nur das Gegenteil erreichen: noch mehr Unsicherheit und Vertrauensverlust.

😠 Daher ärgern mich Aussagen, die ich leider immer wieder in Foren lese, dass die „Alpha- Katze“ (die es gar nicht gibt) gemaßregelt werden muss, indem man in die Hände klatscht und schimpft.

Nein, nein und nochmals nein – wer so etwas schreibt, hat von der Katzenseele keine Ahnung.

Was Katzen wirklich fühlen und wie sie in einer Täter- bzw. Opferrolle geraten, erfährst du jetzt

In meiner Beratungspraxis erlebe ich immer wieder, dass die „Täterkatze“ aus einer tief empfundenen Unsicherheit heraus handelt.

Das Wort „Täter“ mag ich gar nicht, denn es impliziert, dass die Katze aus Bösartigkeit handelt oder weil sie einen Vorteil aus der Situation ziehen will. Deshalb auch die Anführungszeichen.

Wenn ich eine mobbende Katze fragen würde, warum sie eine andere so drangsaliert und klein macht, würde sie mir vielleicht diese Antwort geben:

😼“ Ich fühle mich total verunsichert und bedroht. Deshalb muss ich diesen Artgenossen dauernd beobachten und in Schach halten. Das ist ganz schön anstrengend.“

Auslöser für diese Unsicherheit kann ein Schreckerlebnis gewesen sein, das unbemerkt bleibt, also auch nicht „therapiert“ wird und sich so verselbständigt (lies dazu auch „Katzen verstehen sich plötzlich nicht mehr“).

Eine neue Katze, die einzieht und wichtige Ressourcen für sich beansprucht (wozu auch der Mensch zählt), kann zur tatsächlichen oder gefühlten Bedrohung werden.

Eine kranke Katze, die sich nicht mehr so verhält wie früher, keine Spielaufforderungen mehr annimmt oder auch mal defensiv faucht, wirkt auf nicht souveräne Katzen irritierend. Diese Irritation kann dann zu aggressivem Verhalten führen und sich zu Mobbingsituationen ausweiten.

Das bedeutet nicht, dass das Verhalten der Täterkatze akzeptabel ist. Aber es bedeutet: Wer das Mobbing wirklich lösen will, muss auch die Täterkatze verstehen – und ihr helfen, sich sicher zu fühlen.

Sich in die Katze, die tatsächlich bedroht wird, hineinzufühlen, hilft, um mit ihr gemeinsam Wege zu finden, aus dieser Rolle herauszukommen.

Eine Katze, die in ständiger Anspannung und Angst lebt, verharrt in diesem Zustand, weil sie sich nirgends sicher fühlt – irgendwo könnte sich der Furcht einflößende Feind verstecken und da gilt es, auf der Hut zu sein.

Also wird sie sich verstecken – unterm Bett oder auf dem höchsten Schrank und viele Stunden dort verbringen. Auch im vermeintlichen Schlaf („Fakeschlaf“), den nur sehr gestresste Katzen zeigen, kann sich diese Katze nicht erholen.

Katze im Fake-Schlaf, Kater wird von anderen Katzen gemobbt

Das Perfide – weil sie in permanenter Furcht lebt, macht sie keine neuen Lernerfahrungen, auch keine positiven. Wenn sie sich nicht sicher fühlt, wird sie auch deine Spielangebote nicht annehmen

Diese Katze braucht deine Hilfe – denn im Zustand der Angst sind Säugetiere nicht lernfähig.

Jeder Fall, jede Konstellation ist individuell und sehr komplex. Deshalb sehen die Lösungsstrategien auch für jede Katzengruppe anders aus.

Dennoch gibt es Schritte, die eine gute Basis bilden, um Mobbing unter deinen Katzen aufzulösen.

Ziel ist es, dass deine beiden Katzen wieder positive Erfahrungen miteinander machen können, um sich der jeweils anderen wieder anzunähern.

Dies funktioniert nur, wenn sich die bedrohte Katze wieder sicher fühlt.

Trenne daher diese beiden Katzen räumlich voneinander, d.h., teile deine Wohnung in zwei Reviere auf und setzte die Opferkatze in den Teil, in dem sie sich am wohlsten fühlt. Das kann je nach Wohnsituation nur ein Zimmer sein oder auch ein Wohnungsabschnitt, der von dem anderen durch eine Tür oder ein Gitter abgetrennt ist.

Sobald die verängstigte Katze begriffen hat und spürt, dass sie in Sicherheit ist, wird sie endlich entspannen, lange schlafen und für Spielangebote offen sein.

In einem Mehrkatzenhaushalt müssen alle wichtigen Ressourcen wie Futterstellen, Wassernäpfe, Ruheplätze, Beobachtungsposten, Toiletten und Spiele mehrfach vorhanden sein.

Dies verhindert Konkurrenz und Streitigkeiten.

Dabei ist die Verteilung mindestens so wichtig wie die Anzahl, gerade wenn es um tiefer liegende Konflikte geht

  • Eine Katze, die einen Bereich kontrolliert, kontrolliert alle Ressourcen darin — ohne aktive Aggression
  • Ressourcen müssen daher räumlich getrennt werden: verschiedene Räume, verschiedene Ecken, verschiedene Ebenen
  • Jede Ressource bekommt einen eigenen Platz
  • Futter und Wasser gehören getrennt

Eine Katzentoilette steht in einem Raum sehr ungünstig, wenn sie nur einen einzigen Fluchtweg bietet, daher also eine echte Mobbingfalle darstellt. Katzenklos sollten immer mindestens zwei Fluchtmöglichkeiten bieten, damit sich die Katze sicher fühlt. Außerdem sollte sie keine Haube besitzen.

Freie Flächen, oft im Wohn-/Essbereich oder Flur, ist für Katzen, die sich nicht gut verstehen, ebenfalls ein Problem, weil sie hier nicht ausweichen können. Hier könnte man mit Kissenburgen, Stühlen, erhöhten Plätzen Ausweichmöglichkeiten anbieten.

Damit sich die Dynamik aus „Täter“ und „Opfer“ auflöst, muss die gemobbte Katze Selbstvertrauen aufbauen, damit sie sich wehren kann. Eine souverän auftretende Katze, die vor ihrem Peiniger nicht wegläuft, hat auch nichts zu befürchten.

Und sie wirkt auch nicht mehr irritierend auf den Mobber.

  • Du stärkst das Selbstvertrauen deiner Katze, indem du täglich mit ihr spielst oder einfache Trickübungen mit dem Clicker einübst.
  • Auch sanfte Ansprache, überschwängliches Lob und entspanntes miteinander Kuscheln geben Selbstvertrauen😍.

Im Grunde geht es auch in Mobbingsituationen um Gefühle: Wie schaffst du es, dass sich deine Katzen sicher, geborgen, ausgeglichen und fröhlich fühlen?

Denn wenn sie diese positiven Emotionen erleben, dann haben sie auch keinen Grund mehr, einer anderen Katze aufzulauern oder sich aus Angst zu verstecken.

Glücksgefühle stellen sich bei Katzen vor allem ein, wenn sie ganz Katze sein dürfen, d.h., wenn sie jagen: Beobachten, Lauern, Pföteln, Rennen, Beute packen und gegebenenfalls auch töten.

Aktuelle Studien, geben mir Recht – sie besagen, dass Spiel Wohlbefinden fördert und gleichzeitig Verhaltensproblemen wie Mobbing vorbeugen. (Quelle: 👉🏽 Cambridge-Studie von 2023)

Spiele also mit allen deinen Katzen täglich, auch mit dem Mobber und natürlich, wie oben schon erwähnt, mit der Opferkatze.

Eine gemobbte Katze lebt dauerhaft im Ausnahmezustand. Ihr Nervensystem ist permanent auf Alarm gestellt: Wann kommt der nächste Angriff? Von wo? Wie heftig? Erholsamer Schlaf, entspanntes Fressen, unbekümmertes Spielen – all das ist für sie nicht mehr möglich. Ihr Körper fährt alles auf das Nötigste herunter.

Die Folgen zeigen sich früher oder später körperlich:

  • Blasenentzündungen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern – die Katze trinkt weniger, weil sie sich nicht sicher genug fühlt, um in Ruhe zur Wasserstelle zu gehen, und traut sich kaum noch auf das Katzenklo.
  • Das geschwächte Immunsystem macht die Katze anfälliger für Viren, Bakterien und Parasiten – Wunden und Krankheiten heilen schlechter.
  • Langfristig kann chronischer Stress auch zu psychosomatischen Erkrankungen führen, die sich ohne eine Veränderung der Situation nicht bessern.

In meiner Beratung habe ich immer wieder erlebt, dass Katzenhalterinnen zunächst zum Tierarzt gehen – wegen Unsauberkeit, wegen wiederkehrender Blasenentzündungen, wegen unerklärlichem Gewichtsverlust. Und erst im Gespräch stellt sich heraus: Da läuft seit Monaten eine Mobbingsituation, die niemand als solche erkannt hat.

Deshalb gilt: Wenn deine Katze körperliche Symptome zeigt, deren Ursache sich medizinisch nicht eindeutig erklären lassen, lohnt es sich immer, einen genauen Blick auf die Dynamik in deiner Katzengruppe zu werfen.

💡 Tipp: Zylkène für Katzen und kleine Hunde

Ist das Mobbingopfer sehr ängstlich, empfehle ich dir, ihr das Nahrungsergänzungsmittel 👉 „Zylkène*“ zu geben.

Wichtig: Zylkène wirkt nicht beruhigend, sondern es reduziert Angstgefühle.

Es nützt also nichts, wenn du es einer Katze gibst, die frustriert, überfordert oder gelangweilt ist.

Katzen, die geduckt durch die Wohnung laufen oder sich vor der anderen Katze verstecken, entspannen sich deutlich unter Zylkène.

Weitere Mittel, die zu entspannterem Verhalten führen, findest du in meinem Blogartikel 👉 Beruhigungsmittel für Katzen.

Gerade Mobbingsituationen sind in ihrer Komplexität manchmal Furcht einflößend und überfordern viele Menschen.

Verständlich, denn wer hat schon gelernt, „Kätzisch“ zu sprechen und zu verstehen?

Fühlst du dich mit der Situation überfordert, scheue dich nicht, eine Katzenpsychologin hinzuzuziehen.

Wie lange dauert es, bis sich eine Mobbingsituation verbessert?

Das hängt stark davon ab, wie lange die Situation schon besteht und wie konsequent du die notwendigen Veränderungen umsetzt. Frische Konflikte lassen sich oft innerhalb weniger Wochen entschärfen. Wenn das Muster schon Monate oder Jahre läuft, braucht es entsprechend länger – und in der Regel professionelle Unterstützung.

Meine Katze wird vom Katzenklo vertrieben – was tun?

Das ist klassisches Klomobbing und ein ernstes Signal. Als Sofortmaßnahme: mehr offene Katzenklos aufstellen (Faustregel: Anzahl Katzen + 1) und diese an verschiedenen, gut einsehbaren Stellen platzieren, sodass die Opferkatze nicht in eine Falle gerät. Zusätzlich hilft die räumliche Trennung der Katzen, bis die Situation sich stabilisiert hat.

Hilft Feliway oder Zylkène bei Mobbing?

Zylkène kann der gemobbten Katze helfen, wenn sie sehr ängstlich ist – es wirkt angstlösend, nicht beruhigend. Einer Katze, die frustriert oder gelangweilt ist, nützt es nichts. Als sinnvolle Ergänzung zur strukturellen Veränderung ist es einen Versuch wert.
Bei Feliway bin ich in Mobbingsituationen hingegen ausdrücklich vorsichtig: Die Pheromone können die Opferkatze zwar beruhigen – aber die eigentliche Bedrohung bleibt bestehen. Das bedeutet: Der Katze wird Sicherheit suggeriert, die real nicht vorhanden ist. Sie entspannt sich in einer Situation, in der Wachsamkeit für sie überlebenswichtig ist. In meiner Beratung habe ich erlebt, dass Feliway in Mobbingsituationen das Gegenteil von dem bewirken kann, was man sich erhofft. Meine klare Empfehlung: In akuten Mobbingsituationen lieber auf Feliway verzichten.
Beide Mittel – weder Feliway noch Zylkène – lösen die eigentliche Ursache. Sie können allenfalls begleitend eingesetzt werden, ersetzen aber keine strukturellen Veränderungen und keine professionelle Begleitung.

Muss ich eine der Katzen abgeben?

Nicht automatisch. In vielen Fällen lässt sich die Situation durch gezielte Maßnahmen – räumliche Trennung, Wohnungsstrukturierung, Spielroutinen, professionelle Begleitung – so weit verbessern, dass alle Katzen wieder gut miteinander leben können. Eine Abgabe sollte aber ernsthaft in Betracht gezogen werden, wenn das Mobbingmuster trotz allem nicht zu unterbrechen ist. Eine Katze dauerhaft auf einen Raum zu beschränken ist keine Lösung.

Woran erkenne ich, ob meine Katze die Täterin oder das Opfer ist?

Die Täterkatze wirkt oft entspannt und souverän – sie lauert, blockiert, starrt. Ihre Aggression ist häufig subtil und wird deshalb leicht übersehen. Die Opferkatze hingegen zeigt deutliche Stresssignale: Sie zieht sich zurück, wirkt angespannt, frisst weniger oder wird unsauber. Oft wird fälschlicherweise die Opferkatze als „aggressiv“ wahrgenommen – weil sie sich irgendwann zur Wehr setzt.

Wie richte ich die Wohnung richtig ein, um Mobbing zu verhindern?

Entscheidend ist die sogenannte dritte Ebene: Kratzmöbel, Regale und Wandboards, die Katzen als „Highways“ nutzen können, verringern Konflikte enorm, weil sie Ausweichmöglichkeiten schaffen, ohne dass eine Katze dem anderen in die Quere kommen muss. Futter- und Wasserstellen sollten räumlich voneinander getrennt sein, Katzenklos nie in Sackgassen stehen.

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