von subtilen Täterkatzen und unglücklichen Opferkatzen

Mobbing unter Katzen ist ein ernstes Problem, das in Mehrkatzenhaushalten häufiger vorkommt, als viele Katzenhalterinnen vermuten. Die Grenze zwischen ausgelassenem Raufspiel und echtem Mobbing ist oft schwer zu erkennen – sie hängt stark von den Persönlichkeiten der beteiligten Katzen ab und kann fließend sein.

Wird eine Katze dauerhaft von ihren Mitbewohnern angegriffen, verfolgt oder bedrängt, leidet ihre Lebensqualität erheblich. Anhaltender Stress kann die Gesundheit der gemobbten Katze ernsthaft beeinträchtigen – sowohl körperlich als auch psychisch. Umso wichtiger ist es, die Warnsignale früh zu erkennen und gezielt zu handeln, bevor sich die Situation festigt.

In diesem Artikel erfährst du, woran du Mobbing bei Katzen erkennst, welche Ursachen dahinterstecken und was du konkret tun kannst, um allen Katzen in deinem Haushalt ein gutes Miteinander zu ermöglichen.

Was bedeutet „Mobbing“ bei unseren Katzen?

Mobbing bei Katzen bedeutet, dass es eine Opferkatze gibt, die über einen längeren Zeitraum von mindestens einem der anderen Artgenossen schikaniert und bedroht wird, sich aber aus dieser Situation nicht befreien kann.

Oft handelt es sich dabei um einen schleichenden Prozess, den du als Mensch zunächst nicht mitbekommst oder nicht Ernst nimmst – gibt es doch ganz subtile Arten des Mobbings.

Je nach Katzenpersönlichkeit und Ausmaß der Schikane zeigt sich der Stress an folgenden Merkmalen:

  • Die gemobbte Katze sucht sich aus Angst ein Versteck, um der überlegenen Katze nicht zu begegnen.
  • Sie wirkt nervös und schreckt bei dem geringsten Geräusch zusammen.
  • Die gemobbte Katze entwickelt ein gesteigertes Putzverhalten.
  • Sie wird unsauber, weil sie sich nicht mehr auf die Toilette traut.
  • Das Mobbingopfer entzieht sich jedem Kontakt, indem es in einen „Fake-Schlaf“ flüchtet.

Spiel, Streit oder Mobbing – wo ist der Unterschied?

Nicht jede Rauferei unter Katzen ist gleich Mobbing. Gerade wenn du neu im Mehrkatzenhaushalt bist, ist es gar nicht so leicht zu erkennen, was du da gerade beobachtest. Deshalb hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

Beim Spiel wechseln die Rollen: Mal jagt die eine, mal die andere. Beide Katzen wirken locker, die Bewegungen sind federnd und verspielt. Auch wenn es dabei mal ruppig zugeht, hört das Spiel auf, sobald eine der Katzen deutlich signalisiert, dass sie genug hat. Die andere respektiert das.

Beim Streit geht es um einen konkreten Auslöser – einen begehrten Schlafplatz, die Futterstation oder ein aufreibendes Zusammentreffen im Flur. Der Konflikt ist kurz, beide Katzen gehen danach ihren Weg. Warum Katzen streiten und was du dann tun kannst, erkläre ich ausführlich 🐾 in meinem Artikel über Katzenstreit.

Beim Mobbing ist die Situation eine andere – und deutlich ernster. Es gibt immer eine Opferkatze und immer eine Täterkatze. Die Schikane ist nicht an einen einzelnen Auslöser gebunden, sie passiert überall und jederzeit: am Klo, an der Futterschüssel, auf dem Weg ins Nebenzimmer. Die Opferkatze kann sich nicht entziehen, ihre Signale – Fauchen, Brummen, ein erhobenes Pfötchen – werden vollständig ignoriert.

Das entscheidende Kriterium: Beim Mobbing gibt es keinen Rollenwechsel und keine Pause. Die Opferkatze ist dauerhaft auf der Hut, dauerhaft im Stress – ohne Ausweg.

Woran erkennst du eine Mobbingsituation in deiner Katzengruppe?

Wie erkennst du, dass es sich in deiner Katzengruppe bereits um Mobbing handelt?

Rückzug & Fake-Schlaf

Katze im Fake-Schlaf, Kater wird von anderen Katzen gemobbt

Typisch für eine Mobbingsituation unter Katzen ist es, wenn eine der Katzen sich immer mehr zurückzieht, scheinbar schläft, aber die Körperhaltung angespannt ist. Oft liegt sie auf einem erhöhten Platz, die Ohren gespitzt auf etwaige Geräusche ausgerichtet und leicht hochfahrend.

Die Augen werden regelrecht zugekniffen, Schwanz und Pfoten werden ganz eng an oder unter den Körper gezogen. Frei nach dem Motto: Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht!  Dieser „Fake-Schlaf“ ist ein deutliches Zeichen von 🐾 Dauerstress .

Hier ist sofortige Hilfe nötig bei der Lösung des betreffenden (Gruppen-)Problems, denn chronischer Stress führt nicht nur bei uns zu körperlichen Leiden.

Mal ganz abgesehen davon, dass diese angespannte Situation eine Katze über kurz oder lang völlig aus dem seelischen Gleichgewicht wirft. 

Leider kann man diese Körperhaltung, wenn man ein ungeübtes Auge hat oder an nichts Böses denkt, relativ leicht mit einer „normalen“ Schlafposition verwechseln.

Unsauberkeit, Klomobbing & Blockaden

Achte auch auf diese Anzeichen – sie könnten ebenfalls auf eine Mobbingsituation in deiner Katzengruppe hinweisen.

  • Eine deiner Katzen wird plötzlich🐾 unsauber, obwohl nichts Organisches vorliegt. Möglicherweise traut sie sich nicht mehr auf das Katzenklo, weil es von der Täterkatze blockiert oder ihr dort aufgelauert wird (👉 Klomobbing), wenn sie sich darauf befindet.
  •  Einer deiner Fellnasen liegt häufig „demonstrativ“ auf Türschwellen, blockiert mit ihrem Körper Zugänge zu anderen Räumen. Es passiert gar nicht selten, dass die „Täterkatze“, die „doch gar nichts tut“ (außer Starren, was eine Bedrohung darstellt, und den Weg blockieren!!!), als solche nicht erkannt wird. Eher wird diejenige (Opfer-)Katze gemaßregelt, die den Mobber irgendwann anfaucht und die Pfote hebt – zur Verteidigung wohlgemerkt.
  • Die Täterkatze kann auch die unterlegene Katze regelrecht belauern, sie offensiv attackieren, ohne jede spielerische Komponente. Wenn der Stalker der anderen Katze keinen Freiraum lässt und die Opferkatze sich nur noch geduckt durch die Wohnung bewegt, ist es höchste Zeit, dieses Problem zu lösen.

Was chronischer Stress mit der gemobbten Katze macht

Mobbing ist kein Befindlichkeitsproblem – es ist eine ernste Belastung mit handfesten gesundheitlichen Folgen. Und das oft lange bevor du als Mensch überhaupt merkst, was in deiner Katzengruppe wirklich passiert.

Eine gemobbte Katze lebt dauerhaft im Ausnahmezustand. Ihr Nervensystem ist permanent auf Alarm gestellt: Wann kommt der nächste Angriff? Von wo? Wie heftig? Erholsamer Schlaf, entspanntes Fressen, unbekümmertes Spielen – all das ist für sie nicht mehr möglich. Ihr Körper fährt alles auf das Nötigste herunter.

Die Folgen zeigen sich früher oder später körperlich:

  • Blasenentzündungen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern – die Katze trinkt weniger, weil sie sich nicht sicher genug fühlt, um in Ruhe zur Wasserstelle zu gehen, und traut sich kaum noch auf das Katzenklo.
  • Magen-Darm-Probleme wie Durchfall oder Erbrechen können auftreten, wenn der Stresspegel dauerhaft hoch bleibt.
  • Das geschwächte Immunsystem macht die Katze anfälliger für Viren, Bakterien und Parasiten – Wunden und Krankheiten heilen schlechter.
  • Langfristig kann chronischer Stress auch zu psychosomatischen Erkrankungen führen, die sich ohne eine Veränderung der Situation nicht bessern.

In meiner Beratung erlebe ich immer wieder, dass Katzenhalterinnen zunächst zum Tierarzt gehen – wegen Unsauberkeit, wegen wiederkehrender Blasenentzündungen, wegen unerklärlichem Gewichtsverlust. Und erst im Gespräch stellt sich heraus: Da läuft seit Monaten eine Mobbingsituation, die niemand als solche erkannt hat.

Deshalb gilt: Wenn deine Katze körperliche Symptome zeigt, die sich medizinisch nicht eindeutig erklären lassen, lohnt es sich immer, einen genauen Blick auf die Dynamik in deiner Katzengruppe zu werfen.

Angstlösendes Mittel für das Mobbingopfer

💡 Tipp: Zylkène für Katzen und kleine Hunde

Ist das Mobbingopfer sehr ängstlich, empfehle ich dir, ihr das Nahrungsergänzungsmittel 👉 „Zylkène*“ zu geben.

Wichtig: Zylkène wirkt nicht beruhigend, sondern es reduziert Angstgefühle.

Es nützt also nichts, wenn du es einer Katze gibst, die frustriert, überfordert oder gelangweilt ist.

Katzen, die geduckt durch die Wohnung laufen oder sich vor der anderen Katze verstecken, entspannen sich deutlich unter Zylkène.

Weitere Mittel, die zu entspannterem Verhalten führen, findest du in meinem Blogartikel 👉 Beruhigungsmittel für Katzen.

Verstehen sich deine Katzen weiterhin nicht, suche dir professionelle Hilfe:👉🏼 Beratung durch eine Verhaltensberaterin für Katzen.

Mögliche Ursachen von Mobbing bei Katzen

Gerade im Mehrkatzenhaushalt, in dem es zu wenige Rückzugsmöglichkeiten gibt oder die Katzen nicht zueinander passen, kommt es häufig zu Mobbingsituationen.

Schreckerlebnis, Langeweile und Katzen, die nicht zusammen passen

  •  Auslöser für das Stalking kann ein Schreckerlebnis gewesen sein, das unbemerkt bleibt, also auch nicht „therapiert“ wird und sich so verselbstständigt.
  • Auch wenn die Katzen noch nie so richtig zusammengepasst haben oder die Gruppe 👉  schlichtweg viel zu groß ist,  reicht ein Funken, um unterschwellige Konflikte ans Tageslicht zu bringen.
  • Wenn dann noch Langeweile, Frust sowie eine nicht katzengerecht eingerichtete Wohnung hinzukommen, in der Rückzugsmöglichkeiten auf allen Ebenen fehlen, verstärkt sich das Mobbingproblem immer mehr. 

Dies ist die Variante, die in meiner Verhaltensberatung am häufigsten anzutreffen ist. 

In meinem Blogartikel über 👉 schwierige Mehrkatzenhaushalte bekommst du Tipps für mehr Harmonie unter deinen Katzen.

Missglückte Zusammenführung 

Bei der 👉 Zusammenführung einer neuen Katze in die schon bestehende Gruppe wird leider oft immer noch nach dem Motto vorgegangen : Die regeln das schon unter sich!, was bei sehr gut sozialisierten Katzen tatsächlich meist der Fall ist, bei allen anderen nicht. 

Hier solltest du dir viel Zeit nehmen und den Neuankömmling zunächst von den anderen trennen und Schritt für Schritt miteinander bekannt machen.

Hier und bei miteinander arg zerstrittenen Katzen bietet sich die 👉 Zusammenführung deiner Katzen an einer Gittertür an.

Diese Art des Aneinander Gewöhnens ist die katzenfreundlichste und aus meiner Erfahrung erfolgreichste bei schwierigen Katzenkonstellationen.

Schmerz & Unwohlsein

 Schmerzen bei Katzen werden permanent übersehen, da unsere Fellnasen ihre Not meistens nicht deutlich zeigen.

Dennoch sind sie da und drücken auf die Stimmung deines Vierbeiners.

Deshalb habe ich in meinen Beratungen sehr häufig erlebt, dass Katzen, die durch Schmerzen, Alterungsprozesse oder chronische Krankheiten belastet sind, ihr Verhalten ändern.

Sie fauchen z. B., wenn sich ihnen ein vertrauter Artgenosse nähert .

Oder sie sind in ihren Bewegungen so eingeschränkt, dass sie Spielaufforderungen nicht mehr annehmen: „Ich bin zu alt, mir tut alles weh, lass mich doch in Ruhe!„.

Auch das kann zu Irritationen bei den anderen Katzen und schlimmstenfalls zu Mobbingsituationen führen (lies 👉Deine Katze ist aggressiv).

Oder es ist gerade das souveräne Tier, das krank wird, das vlt. als „Puffer“ gewirkt hat, sodass die Beziehungen der Katzen untereinander noch einmal ganz neu „verhandelt“ werden müssen.

Sofortmaßnahmen bei Mobbing oder Stalking unter Katzen

Wie solltest du reagieren?

Dies ist nicht leicht zu beantworten, da zunächst die Ursache herausgefunden werden muss.

Als Sofortmaßnahme empfiehlt sich zunächst die räumliche Trennung der Opferkatze von den anderen – das kann ein einzelnes Zimmer sein oder auch ein Stockwerk, je nach Wohnsituation. Dadurch fühlt sich die Katze, die gemobbt wird, wieder sicher.

Um sie selbstbewusster zu machen, spiele mit ihr alleine und clickere mit deiner Katze.

Fühlst du dich mit der Situation überfordert, scheue dich nicht, eine Katzenpsychologin hinzuzuziehen.

Dann eröffnet sich dir wieder die Chance für ein friedliches Zusammenleben🧡🧡.

Wie lange dauert es, bis sich eine Mobbingsituation verbessert?

Das hängt stark davon ab, wie lange die Situation schon besteht und wie konsequent du die notwendigen Veränderungen umsetzt. Frische Konflikte lassen sich oft innerhalb weniger Wochen entschärfen. Wenn das Muster schon Monate oder Jahre läuft, braucht es entsprechend länger – und in der Regel professionelle Unterstützung.

Meine Katze wird vom Katzenklo vertrieben – was tun?

Das ist klassisches Klomobbing und ein ernstes Signal. Als Sofortmaßnahme: mehr offene Katzenklos aufstellen (Faustregel: Anzahl Katzen + 1) und diese an verschiedenen, gut einsehbaren Stellen platzieren, sodass die Opferkatze nicht in eine Falle gerät. Zusätzlich hilft die räumliche Trennung der Katzen, bis die Situation sich stabilisiert hat.

Hilft Feliway oder Zylkène bei Mobbing?

Zylkène kann der gemobbten Katze helfen, wenn sie sehr ängstlich ist – es wirkt angstlösend, nicht beruhigend. Einer Katze, die frustriert oder gelangweilt ist, nützt es nichts. Als sinnvolle Ergänzung zur strukturellen Veränderung ist es einen Versuch wert.
Bei Feliway bin ich in Mobbingsituationen hingegen ausdrücklich vorsichtig: Die Pheromone können die Opferkatze zwar beruhigen – aber die eigentliche Bedrohung bleibt bestehen. Das bedeutet: Der Katze wird Sicherheit suggeriert, die real nicht vorhanden ist. Sie entspannt sich in einer Situation, in der Wachsamkeit für sie überlebenswichtig ist. In meiner Beratung habe ich erlebt, dass Feliway in Mobbingsituationen das Gegenteil von dem bewirken kann, was man sich erhofft. Meine klare Empfehlung: In akuten Mobbingsituationen lieber auf Feliway verzichten.
Beide Mittel – weder Feliway noch Zylkène – lösen die eigentliche Ursache. Sie können allenfalls begleitend eingesetzt werden, ersetzen aber keine strukturellen Veränderungen und keine professionelle Begleitung.

Muss ich eine der Katzen abgeben?

Nicht automatisch. In vielen Fällen lässt sich die Situation durch gezielte Maßnahmen – räumliche Trennung, Wohnungsstrukturierung, Spielroutinen, professionelle Begleitung – so weit verbessern, dass alle Katzen wieder gut miteinander leben können. Eine Abgabe sollte aber ernsthaft in Betracht gezogen werden, wenn das Mobbingmuster trotz allem nicht zu unterbrechen ist. Eine Katze dauerhaft auf einen Raum zu beschränken ist keine Lösung.

Woran erkenne ich, ob meine Katze die Täterin oder das Opfer ist?

Die Täterkatze wirkt oft entspannt und souverän – sie lauert, blockiert, starrt. Ihre Aggression ist häufig subtil und wird deshalb leicht übersehen. Die Opferkatze hingegen zeigt deutliche Stresssignale: Sie zieht sich zurück, wirkt angespannt, frisst weniger oder wird unsauber. Oft wird fälschlicherweise die Opferkatze als „aggressiv“ wahrgenommen – weil sie sich irgendwann zur Wehr setzt.

Deine Katzen brauchen jetzt Hilfe?

Mobbingsituationen eskalieren selten von alleine – im Gegenteil. Je länger sie andauern, desto tiefer graben sich die Muster ein. Und desto schwerer wird es, sie wieder aufzulösen.

Ich begleite Mobbing-Fälle persönlich im Hausbesuch – ausschließlich im Saarland und angrenzenden Regionen. Nur vor Ort kann ich die Dynamik zwischen deinen Katzen wirklich einschätzen und gezielt mit euch arbeiten. Wenn du in meinem Einzugsgebiet lebst, melde dich gerne direkt bei mir.

Wohnst du weiter weg? Im Leben mit Katze Insider-Club findest du fundiertes Wissen zu Konflikten im Mehrkatzenhaushalt, konkrete Strategien – und meine persönliche Begleitung auch auf Distanz.

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